Umgangsformen im öffentlichen Verkehr
Die Wichtigkeit der Umgangsformen beim „Öffis-Fahren" wird oftmals unterschätzt. Eine Steigerung des Aggressionspotentials, sowie die Bildung einer egoistischen Gesellschaft sind die Folge. Ein Lokalaugenschein in Wien.
Die Situation im öffentlichen Wiener Verkehr grenzt an eine Darstellung eines motivierten und von Fouls gespickten Football-Matches. Menschenmassen drängen in der Rush-Hour in die U-Bahnen, gestresst und sichtlich unter Zeitdruck. Das Bild erinnert an einen normalen Arbeitstag in Tokio, einer großen von Millionen Menschen bewohnten Metropole.
Gerade in solch spannungsgeladenen Situationen sind gute Umgangsformen unerlässlich. Höfliches Fragen „Entschuldigen Sie, steigen Sie aus?" und höfliches Antworten „Nein, aber ich lasse Sie gerne vorbei." entspannen das gesamte Umfeld und zeigen gegenseitiges Verständnis. Genau dieses Verhalten lernt man von Klein an und gibt dieses Wissen an seine Nachkommen weiter. So sollte es zumindest die Regel sein.
Der Lokalaugenschein zeigt allerdings ein komplett anderes Bild. Die unerlässliche gesellschaftliche Pflicht der guten Manieren und Verwendung der selbigen ist durch die Jahre und Generationen nicht nur geschrumpft sondern nahezu verschwunden. Situationen, wie Mitfahrer erst aussteigen lassen bevor man die Bahn/den Bus betritt oder höfliches Nachfragen bei dem Wunsch das öffentliche Gefährt zu verlassen, erlebt man seltener als es nötig wäre.
Stattdessen wird gedrängelt, gepöbelt und für generellen Unmut gesorgt.
Dieser negative Trend zieht sich quer durch alle Altersschichten und lässt sich nicht nur auf die heutige Jugend abwälzen. Die Frage, die sich hier stellt ist, ob die heutige Jugend die altbewährten Manieren im Öffentlichen Verkehr gelernt hat, oder ihr Verhalten auf der Beobachtung der Erwachsenen Mitfahrer fußt.
Das Aggressionspotential steigt in solchen Situationen enorm an, da man sich oftmals unfair behandelt fühlt und diesen Unmut an andere Fahrgäste weitergibt.
Vielleicht sollte unser österreichischer Guru für gute Manieren einen neuen Kurs, neben dem berühmten „Krocha-Tanz", einführen. „Das richtige zwischenmenschliche Verhalten im öffentlichen Verkehr." Dadurch könnten eventuelle Ausschweifungen verhindert oder zumindest eingedämmt werden. In einer von Krisen gebeutelten Zeit wie der heutigen ist ein ruhiges und angenehmes Klima wichtiger denn je. Und jeder Einzelne sollte zu dieser Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen beitragen, sei es auch durch noch so kleine Gesten, wie ein freundliches Lächeln bei einem unbedachten Blickwechsel in der U-Bahn.